Santa Barbara Market. Santa B. Andere nennen es auch die Hölle.
Was ihr zuerst über Vancouver wissen müsst: Van ist eine dieser Städte, die in tausend kleine Viertel aufgeteilt ist, sodass man eigentlich immer nur an einem Ort bleiben kann, ohne irgendwas nicht zu haben. Andererseits heißt das aber auch, dass man andauernd irgendwas verpasst. Meine Arbeit ist in Ost Van, auf einer Straße, die ihr eigenes Viertel ist: Commercial Drive. Eine Mischung aus Hippies, Pennern, Lesben, Italienern und Spanisch sprechenden Menschen.

Einige Eindrücke von The Drive: Hier ein Keyboard spielender Mann in seinem Auto und ein anderer Trompeter der ihn begleitet.

The Drive bei Sonnenuntergang von Santa B's Dach aus.



Und da wo die Sonne untergeht ist Downtown Van.

Hier die kleine Versammlung aller Europäer als Spanien die WM gewonnen hat. Jep, auf Commercial Drive interessieren sich Menschen für Fussek.


Nirgendwo sonst habe ich jemals Menschen gesehen, die sich für den Bus anstellen.

Ein schlafender Mann in seinem Auto.

Ein Straßenschild mit einem Schnurrbart.

Oh ein Bus. Und ach, was ist das denn da im Hintergrund? Was ist das denn auf der Schulter dieses Mannes? Ist es etwa...

EINE TAUBE? Allerdings.
Santa B führt so ziemlich alles, was italienisch ist und mehr. Polnische Süßigkeiten und Sauerkraut. Für die eigewanderten Europäer halt. Wir sind aufgeteilt in Produce (Gemüse & Früchte), Groceries (Lebensmittel) und Deli (Wurst und Käsetheke). Die angestellten sind auch dementsprechend aufgeteilt: die Kassier-Mädels, die Lebensmittel-Jungs und die Deli-Leute. Insgesamt sind wir so um die 35 Leute. Und ganz ehrlich, wir könnten alle aus nem Comic sein. Ich hab noch nie so viel Zeit mit so seltsam zusammengewürfelten Leuten verbracht. Hier die wichtigesten:
Meine beste Freundin auf der Arbeit ist Charlene (20, Kasse), der sarkastischte, zynischte Mensch den ich je kennen gelernt habe. Eltern aus Kenia.
Melanie (Alter unbestimmt, Kasse) sieht aus wie 25, ist die Ruhe selbst und hat 2 Kinder (9, 5), die keine Sekunde still stehen und sehr laute Stimm-or(k)gane haben. Hat Au-Pair in der Schweiz gemacht und kann noch ein bisschen Deutsch.
Clare (19, Kasse) hat mit 17 aufgehört Kokain zu nehmen, ist mit einem 45 jährigem Vater zusammen und bezeichnet dessen Kind (9) als ihre Tochter. Nervigste Stimme der Welt, redet mit dir als wärst du 5.
Rozi (20, Deli), vernarrt in Lady Gaga, pinke Haare und seehr offen mit ihrer Sexualität.
Glenn (37, Lebensmittel) hat einen Wolverine Bart und arbeitet da schon seit 12 Jahren. Sieht aus/verhält sich wie Anfang 20.
Conner (17, Gemüse) ist der typische jugendliche Junge, der immer müde irgendwo in der Ecke rumzickt und nicht arbeitet.
Elden (18, Gemüse) ist der höflichste 18-jährige Junge der Welt und kauft uns regelmäßig Donuts und Kaffee.
Fernando (22, Gemüse) ist ein Anwalt in Mexiko und möchte gerne 10 Kinder.
Kommen wir nun zu den Bossen. Haha. Ursprünglich gehörte dieser Landen Paco, dem Italiener. Paco hatte eine Business Idee (Paco Enterprises) und hat die vor 24 Jahren in die Tat umgesetzt. Irgendwann in den letzten Jahren wurde das Paco aber zu viel (Altersbedingt) und so hat er ganz ganze seinem Schwiegersohn (Barry, Engländer, damals Kokainabhängig und ein Partytier) und seinem Sohn (Mario, heutiger Aufenthaltsort: Unbekannt) überlassen. Einige Zeit später kam Paco zurück, Barry und Mario hatten den ganzen Laden zerstört. Mario wurde rausgeschmissen, aber aus irgendeinem uns allen unverständlichen Grund mochte Paco Barry und er blieb. Barry durfte einen Teil von Santa B behalten, der Rest wurde an Lina (aus Italien), Iwona (aus Polen) und Domingo (aus den Phillipienen) verkauft.
Und das sind sie nun, die Manager: Barry (immer noch von nichts eine Ahnung, steht meistens rum und telefoniert, oder macht sich an Schnixen ran), Lina (hat wohl am meisten Ahnung, ist sone Art Tochter für Paco und wacht über Lebensmittel), Iwona (ist gefürchtet von allen, vermisst Europa, mag mich deshalb) und Domingo (skuril, versucht mit allen Angestellten gut auszukommen und hat das Gemüse unter Kontrolle).
Hier fanden wir des Brotlieferantens Berechnungen auf der Brotablage.

Hier meine Lieblingscheffin Iwona beim Schließen.

Im ganzen Ladenverteilt hängen kleine Erinnerungen und Infos an die Mitarbeiter (meistens auch von den Mitarbeitern). Dieses hier hängt bei den Olivenkübeln und sagt: "Schüttet die leeren Olivenkübel aus oder sterbt in einem tiefen, feurigen Loch."
Rechts darunter: "Sophie popelt in der Nase."

Hier kam ein Mann mit einer Baby-Schlange in den Laden spaziert und wir durften die Stunden lang halten.
Es ist schwer zu beschreiben, wie Santa B wirklich ist. An manchen Tagen kommen die seltsamsten Vögel in den Laden und fragen dich ob sie dich "Senorita" nennen dürfen oder warum du eine Kapuze auf hast, hast du irgendwas zu verstecken? An anderen Tagen will einfach jeder nur scheiße sein und dein Leben zur Hölle machen.
Vor 2 Wochen haben meine Mitbewohnerin Becky und ich ihre Schwester in Seattle besucht. Und Seattle ist eine wirklich tolle Stadt.

Ordentliches Amerikanisches Frühstück in einem Öko-Diner. Spiegelei, Hashbrowns, Toast und Frenshtoast, alles selbstgemacht.

Die Kaugummi-Wand und Becky's Schwester Natasha.

Becky und ich im Universitäts Viertel. Ah Herbst in Seattle ist wunderschön.

Eine ganze Straße voll mit fetten Villen für die Studentenverbindungen und alle haben Pools und Tennisplätze.

Und Löwen!

Natashas kleines Haus. Ach, Amerikanische Architektur, ich habe mich endlich an dich gewöhnt und werde dich vermissen.

Und hier teile der Uni, auf Europäisch gemacht.

Und zum Schluss: Ein Tag bei Ikea.

$2.99 für 15 Fleischbällchen.
